Theresa Heyd
(Greifswald)

Congrats AI! Algorithmische Metadiskurse

Bei der linguistischen Betrachtung von Künstlichen Intelligenzen, Maschinen und Maschinellen Lernen, Bild- und Stimmerkennung sowie der Verdatung des Alltags rückt zunehmend in den Blick, dass auch diese vermeintlich maschinell gelenkten Prozesse zutiefst menschengemacht und von sozialen Praktiken beeinflusst sind. Dementsprechend sind algorithmische Prozesse und Verfahren der Bilderkennung nie neutral, sondern von gesellschaftlichen Diskursen und Biases geprägt. Sprachwissenschaftler*innen wie Jones (2019) haben darüber hinaus auf die diskursive Tendenz hingewiesen, Algorithmen und künstliche Intelligenzen als menschlich zu konstruieren. Dieses Diskursfeld stellt somit einen zentralen Gegenstand für eine posthumane Linguistik im Sinne von Pennycook (2018) dar, die die Grenzbereiche von noch-nicht-menschlichem und mehr-als-menschlichem Sprechen auslotet und zur Debatte stellt.

Dieser Vortrag erkundet die Zusammenhänge von Posthumanismus, diskursiver Konstruktion und künstlicher Intelligenz am Beispiel des neuronalen Netzwerks This Person Does Not Exist (TPDNE; https://thispersondoesnotexist.com) und seiner Diskursivierung in den sozialen Medien. TPDNE erzeugt artifizielle, fotorealistische Porträtbilder von nicht existierenden Personen, die häufig kaum von realen Porträtfotos zu unterscheiden sind, oft jedoch auch „uncanny“-Effekte aufweisen, beispielsweise im Bereich der Gliedmaßen, Kleidungsstücke, Accessoires oder auch Nebenpersonen im Anschnitt. Während die URL lediglich zur Generierung der Bilder dient, findet durch Derivate in den sozialen Medien wie @wedontexisthere eine intensive Diskursivierung der Bilder statt. Das geschieht sowohl durch die Partizipationslogiken der, als auch durch Kommentare und Diskussionen. Im Vortrag werfen wir einen quantitativen und qualitativen Blick auf diese Diskurse. Welche Bilder erlangen digitale Sichtbarkeit, und über welche Mechanismen? Wie werden diese artifiziellen Porträts besprochen, und inwiefern werden dabei soziale Kategorien wie Geschlecht und Alter, aber auch visuelle Kategorien wie Norm/Schönheit und Abweichung davon sprachlich hergestellt? Wie gehen Nutzer*innen mit den Rändern des Menschlichen um, und welche Vorstellungen von digitaler Sichtbarkeit im posthumanen Zeitalter können wir daraus ableiten?